Oumou Sangaré - Die Sanfte Vorkämpferin

Ihre letzte Tournee durch Deutschland liegt 4 Jahre zurück, wie bei fast allen Stars der afrikanischen Musik. Durch ihre zahlreichen Auftritte haben afrikanische Musiker von Ende 1980 bis Mitte 1990 Deutschland erfolgreich als ein der Zentrum der Weltmusik durchgesetzt. Die Welle ging sicherlich wegen der zu großen Erhöhung der ausländischen Steuer auf Live-Musik zu Ende. In der Tat, seit Ende 1980 gerieten hier aus unerklärlichen Gründen die Tourneen mit afrikanischen Stars in Vergessenheit. Sogar Einzelauftritte von Oumou Sangaré sind zu einer Seltenheit geworden - ebenso wie die der anderen Stars, die oft hierher kamen: Salif Keita, Angelique Kidjo, Femi kuti, Lucky Dube, Ladysmith Black Mambazo, Manu Dibango, Baaba Maal, Cesaria Évora etc., ausgenommen von wenigen größeren Musik-Festivals im Sommer.
Am Ende dieses Jahres ist Oumou Sangaré - die sanfte Vorkämpferin der Fauenrechte und Mutter eines 9-jährigen Sohnes - nach erfolgreichen Welt-tourneen nun doch wieder im Land. Nach dem unvergessenen Konzert im Herzen Afrikas, bei dem afrikanischen neuen großen Festival (FESPAM) in Brazzaville ( Kongo-Republik ), im August diesen Jahres und der Präsentation ihres neuen Albums "Oumou" bei der Zeromonie World Circuit - Night am 29. Semptember in Paris, gastiert Oumou Sangaré im Rahme ihrer Tournee durch Europa in ca. 4 Städten Deutschlands: sie hat am in Jahr 2003 und genau am 5. November im Norbert-Schumann-Saal in Düsseldorf, am 6., 7. und 11. November in Darmstadt, Karlsruhe, München und Österreicht gespielt.

Die 35-jährige engagierte Sängerin aus Mali mit der zauberhaften Stimme, wurde im Laufe ihrer 13 Jahre andauernden Bühnenpräsenz immer beliebter.
Die musikalische Karriere von Oumou ist märchenhaft. Sie gilt seit Ende 1990 als "eine der größten Stimmen der Welt ", mit der man niveauvolle Programme bereichen kann. Beispielsweise wurde sie mit ihrer Gruppe für ein einziges Konzert in Australien eingeladen. Alle Plätze des geplanten Konzerts in der Opera von Sydney waren bereits durch den Vorverkauf ausverkauft. Der Auftritt hatte den Zuschauern so gut gefallen, daß für den nächsten Tag ein Zusatzkonzert organisiert wurde. Sicherlich war bis dahin der junge Star aus Mali nicht ganz unbekannt in Australien. Ein Fernseh-Team hatte zuvor eine Reportage über die Arbeit der Sängerin in Mali und ihr Leben in der Region Wassoulou gemacht und gezeigt. Darüber hinaus wurden alle ihre Alben hoch gelobt, und das Album " Worotan " stand Monate lang an der Spitze der internationalen World Music Charts. Dies alles konnte erfolgreich zu ihrer weltweit wachsenden Popularität beitragen.

Geboren 1968 in Bamako, der Haupstadt des Landes Mali (Westafrika), erschien 1989 ihr erstes Album. Aufgenommen ein Jahr davor in Abidjan an der Elfenbeinküste, einer der Metropolen der afrikanischen Musik in Afrika, wurde die Debüt -Kassette " Moussolou " ("die Frauen"). Innerhalb von sechs Mo-naten wurden mehr als 200.000 Exemplare im Westafrika verkauft - ein absoluter Rekord im afrikanischen Musikgeschäft südlich der Sahara. Neben Paris und London, die als europäische Metropolen für afrikanische Musik gelten, findet die Produktion dieser Musik in Afrika selbst in Großstädten wie Abidjan, Brazzaville (Kongo-Republik), Kinshasa (Demokratische Republik Kongo), Lagos (Nigeria), Dakar (Senegal), Johannesburg (Südafrika), Duala (Kamerun) statt.

Der Engländer Nick Gold, Inhaber von World Circuit, einem bekannten internationalen Plattenlabel, der besonders berühmt wurde durch die Produktion des "Buena Vista Social Club, Cuba", wurde auf das Album " Moussolo " made in Afrika aufmerksam. Seit 1990 steht die junge Diva bei dem weltweit bekannt Label unter Vertrag. "Moussolou" wurde in 1991 von dem genannten Label für den internationalen Markt neu produziert .

Doch Oumous Erfolg beschränkt sich nicht nur auf ihre Musik auf der Bühne und ihre Alben. Daß sie in der internationalen Filmindustrie auch eine gut Rolle spielen kann, beweist sie mit dem Film "Beloved" über die Moderatorin Oprah Winfrey. Begeistert von dem Song " Djouroulé " des dritte Albums, nahm Oprah Winfrey, eine im US-Fernsehen berühmte Afroamerikanerin, Kontakt zu Oumou auf und bat sie, die Texte der Filmmusik zu komponieren und zu singen. Oumou war so begeistert von dem Film und fühlte sich durch die Kontaktaufnahme durch World Circuit von Oprah derart geschmeichelt, daß sie sofort die Arbeit an die Melodie zum Film begann. Die damals 21-jährige Sängerin hat die Songs selbst komponiert - wie es bei manchen be-kannten Sängern dieses Kontinents üblich ist.

Oumou Sangaré wurde über Nacht zum Star. Selbst Cesaria Evera, eine der ältesten und bekanntesten Diven der afrikanischen Musik von den Kap-verdischen Inseln, die einige Jahre zuvor den Sprung von einer armen Sängerin zur weltweit bekannten Künstlerin geschafft hatte, konnte Oumou für ihren Blitz-Erfolg nur beneiden. Die 62 jährige "Grande Dame" der afrikanischen Musik von der genannten Trauminsel hat erst ab einem Alter von 50 Jahren die Früchte ihrer Kunstbemühungen und ihres Talents ernten können. Ähnliches trifft auch auf die bekannte und beliebte 72 Jährige Sängerin Miriam Makeba aus Südafrika zu. Oumou Sangaré ist auf dem besten Weg, in einem Atemzug mit den beiden älteren Diven genannt zu werden. Ihre Konzerte ziehen mittlerweile mehr Menschen an als die Auftritte von Angelique Kidjo aus Benin, einer weiteren bekannten jungen Sängerin der afrika-nischen Musik, die man vor Jahren als Nachfolgerin von Miriam Makeba gefeiert hatte.

Die Musik von Oumou Sangaré ist an erster Stelle eine Musik aus traditionellen Rhythmen und Melodien aus der Wassalou-Region, ca. 120 km südlich von Malis Haupstadt Bamako. Die junge Frau ist neben ihrem Kampf um die Rechte der Frauen, gegen Polygamie Zwangsheirat sehr stolz, diese Musik zu vertreten. Auf meine Bemerkung bei unserer ersten Begegnung in 1993 während der Promotion des Albums " Ko Siro" : "Oumou du wirst immer berühmter - genau wie dein Landsmann Salif Keita...", schaut sie mich ein paar Sekunden bedrückt an, so wie jemand, der sich unwohl dabei fühlt, et-was gegen eine Respektperson zu sagen. ... " Ich werde aber nicht auf seine Weise Musik darstellen ", sagt sie zu mir. ..." Auf welche Weise? " frage ich erstaunt. ..." Ich werde keine Musik vertreten, die meine ursprüngliche afrikanische Tradition nicht repräsentiert. Salif Keita mischt zu viel Technik in seine Musik, dadurch verliert diese ihre Authentizität".

Es ist jedoch heutzutage üblich, afrikanische Rhythmen mit viel Rock, Synthethizer und Hightech zu mischen. Das verlangen sogar die meisten Produ-zenten. Sie hoffen damit , die afrikanische Musik dem westlichen Publikum besser zugänglich zu machen. Sicher können ein paar Experimente nicht schaden. Es kann aber dazu führen, wenn den Wünschen einiger Produzenten gänzlich entsprochen wird, um die Verkaufszahlen zu steigern, daß der Musiker seiner Karriere eher schadet als sie damit zu fördern. Doch alle Wünsche und Bestrebungen können gerade im Showbusiness nicht ohne ein gewisses Maß an Flexibilität erreicht werden.

Zwischen 1986 und 1995 hat die junge Sängerin Oumou Sangaré ausschließlich traditionelle Musik ihrer Region in ihrer Muttersprache Wassoulou N'ke, ein in Mali nach der Sprache Bambara am meisten gesprochener Dialekt gemacht. Ab dem dritten Album " Waratan" in 1996 konnte Oumou nicht mehr nur mit der Macht ihrer Stimme und den puren traditionellen Rhythmen aus Wassoulou ihre Karriere in der Show Business erfolgreich fortsetzen. Bei der Produktion des Albums " Waratan" haben bekannte Künstler außerhalb Afrikas, wie der Saxophonist Pee Wee Ellis und Nitin Sawhney, mitgewirkt. In den Jahren 1997 und 1998, insbesondere während der größten Tourneen durch Zentralafrika und Westafrika, organisiert von der ehemaligen Fluggesell-schaft Air Afrique in Verbindung mit den CCF " Centres Culturels Francais " (Französische Kulturzentren), wurde die Veränderung in der Musik von Oumou deutlich. Als erstes hat sich die Musikgruppe von ca. 7 auf 11 Musiker vergrößert. Neben Djembe, Kamelen Ngoni (traditionelle Gitarre mit 6 Saiten), waren Flöte, elektrische Guitarre und Bass zu höre, später kam noch das Saxophon dazu. Auf die Frage von Journaliste, die Oumou fragten, warum sie ihre Musik verändert hat, antwortet sie: " Ich kann meine Treue für die traditionelle Musik nicht leugnen, aber in meinen neuesten Liedern ver-suche ich, die moderne universale Musik mit der traditionellen afrikanischen zu verbinden. Ich bin froh, daß meine Musikproduktion den internationalen Standards entspricht." Also, eine Zusammenarbeit mit anderen Kulturen ist nicht immer schlecht, sondern heutzutage sogar unvermeidlich und eine Bereicherung.

Die Musik einer der größten Künstlerinnen Malis Sangaré ist an erster Stelle eine Botschaft - eine Lebensphilosophie mit pädagogischer Funktion. Sie kämpft um die Vorrechte der Frauen und spricht sich gegen Heirat als Handel aus. Sie sagt: " Polygamie ist dumm. Sie hat vielleicht damals ihren Dienst getan, aber in der heutigen Zeit hat sie kein Platz mehr in der Gesellschaft." Sie singt letzter Zeit sogar gegen Frauenbeschneidung. Ich fragte sie, ob die Leute in Afrika auf ihre Kritik hören, insbesondere in Mali. Sie sagte mir schon in 1993, daß durch ihre Musik und Boschaft die Quote der Polygamie ge-sunken war, besonders in der jüngeren Generation. Sogar Männer unterstützen ihren Kampf. Es hat sicher etwas zu bedeuten, daß Ali Farka Touré, einer der internatinal bekannten Musiker Malis, als ihr Berater gilt.

Doch nicht nur auf afrikanischer, sondern ebenfalls auf internationaler Ebene genießt Oumou Anerkennung. Beispielsweise erhielt sie mehrmals die "Cassette d' or - K7" (die Goldene Kassette) von Mali. Außerdem ist sie eine der wenigen Musiker der World Music, die im "Central Park" von New York ein erfolgreiches Konzert gegeben haben. Am 18. November 2001 wurde ihr der "IMC Unesco Music Prize" im Rathaus von Aachen verliehen. Das IMC (International Music Concil ) der Unesco zeichnet seit 1975 alle 2 Jahre Persönlichkeiten der Musikbranche für ihre Talent und Engagement für Friede und Völkerverständigung aus. Die Auszeichnung wurde bis 2001 an insgesamt 50 Persönlichkeiten übergeben. Darunter an zwei begabte Künstler aus Afrika: Miriam Makeba im Jahr 1993 und 1998 an Cesaria Evora. Am 8. Juli 2003 unterzeichneten die Außenminister der afrikanischen Union das Pro-tokoll, das die Rechte der afrikanischen Frauen garantiert. Das sogenannte Protokoll von Maputo, Hauptstadt des Landes Mozambik (südliches Afrika) verurteilt die Beschneidung der Frauen und andere sexuelle Verstümmelungen sowie die Zwangsheirat von Frauen unter 18 Jahren. Auch dies eine An-erkennung für Oumou Sangaré's Bemühungen. Nach Unterzeichnung des Protokolls haben zahlreiche Medien die "sanfte Vorkämpferin" um Stellung-nahme gebeten.

In ihren Liedern erinnert Oumou daran, wie wichtig die Gastfreundschaft unter Menschen ist. Sie hat eigens diesem Thema das Album "Laban" mit dem Song "Malado" speziell für den afrikanischer Markt und eine lange Tournee durch Mali gewidmet. Oumou kritisiert in diesem Lied, daß Egoismus und Individualismus die sozio-ökonomischen Abstände zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft vergrößern. Neben ihrer Musik engagiert sie sich sehr für verschiedene soziale Projekten: sie unterstützt Frauen-Vereine und -Initiativen in ihrer Arbeit und war maßgeblich an ihrer Gründung beteiligt.

Doch die sanfte Vorkämpferin mit dem mitreißenden Lächeln, die zur Musik kam, um ihrer Mutter zu helfen, weil diese unter Polygamie viel gelitten und oft geweint hat. Sie begnügt sich nicht nur mit Theorien, sie praktiziert Solidarität. Kaum ein Star läßt seine Fans und Besucher so nah an sich heran; sei es in einer Loge am Verantaltungsort oder zu Hause in Afrika. Sie ist ein warmherziger Mensch, der viel Wert auf menschliche Beziehungen legt. Und genau diese Qualitäten spiegeln sich in all ihren Aktivitäten wider, in der Musik und im sozialen Leben.

 

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