Nationalliteraturen und literarische Nationalitäten

Senegal wird mit gutem Recht als die Geburtsstätte der afrikanischen Literatur be-zeichnet. Und das ist kein Zufall. Senegal ist das Land der Zuflucht und des Exils. Zahlreiche Schriftsteller - u. a. die Haitianer Roger Dorsinville und Francois Biere - haben hier Aufnahme gefunden. Hier entstand 1920 der erste französischsprachige Roman: "Les trois volantes de Malick"; 1966 fand das erste Festival afrikanischer Künste in Dakar statt. Gemeinsam mit der Stiftung Ifan (Institut Francophone d'Afrique Noire) und dem CEC (Centre d'etudes des civilisations) entfaltet die Uni-versität von Dakar eine rege Aktivität. Und ebenfalls hier ist der Treffpunkt der Schriftsteller von Weltrang: Leopold Sedar Senghor (Mitglied der Akademie Fran-caise), der Romancier und Regisseur Sembene Ousmane, der Erzähler Birago Diop, der Schriftsteller des Schmerzes Cheik Amidou Khane ("L'aventure ambigue") und unzählige andere, nicht zuletzt auch die ersten Anhänger der Negritude Addoulaye Sadji ("Maimouna"), Soce Diop ("Karim, roman senegalais" und "Mirage de Paris").

Vielen Schriftstellern der ersten Generation ist es gelungen, die zweite Generation einzuholen und sich sogar der dritten zu nähern, wie etwa Sembene Ousmane, der der Zeit so erfolgreich die Stirn bietet und nach wie vor präsent ist in der Literatur-szene. 1980 und 1981 veröffentlichte er nacheinander "L'harmattan" und "Le dernier de l'empire". Einer der ersten Anhänger der Negritude ist Samine Diakate, der seine literarische Karriere mit dem Gedicht "La joie d'un continent" begann. 1955 erschien sein Theaterstück "Sarzan", 1963 "Primordial du 6e jour", 1974 "Nigeriannes" und der Essay Lectures libres" über Senhors "Lettres d'hivernages et d'hosties noires". Es folgte 1976 die Novelle "Prisonnier du regard", 1978 der Roman "Chalys d'Harlem" und 1984 "Le Sahelien de Lagos".

Birago Diop, der große Erzähler des Kontinents, wurde 1947 mit "Les contes d'Amadou Koumba" bekannt. 1958 erschien "Les nouveau contes d'Amadou Koum-ba", 1963 "Contes et Lavanes", 1977 "Contes d'Awa", 1976 schrieb er "Mor Lam", ein Schauspiel. Eine vierteilige Essay-Reihe begann er 1972 mit "La plume raboutie" und setzte sie mit "Der produktivste Schriftsteller der letzten Generation dürfte Cheikh A. Mdao sein. 1967 erschienen seine ersten drei Theaterstücke: das bekannteste ist "L'exil d'Albouri (suivi de) la decition". Es folgten zahlreiche Gedichte: 1970 "Moga-riennes", 1972-73 "L'Ile de Bahila" und "Buur Tillen", 1983 "Excellences vos epouses" und "Le Marabout de la Secheresse", 1985 "Du sang pour un trone".

Zu erwähnen sind auch Seyni Mbengue mit "Le Royaume de Sable", Cheik Badiane mit "Les longs soupirs de la nuit" und zwei andere erfolgreiche Schriftsteller: Mbeye Gana Kebe, Autor der Romane "Le decret" (1984), "Les indemnites" und "Kaola Sik-kim" (1975), des Theaterstücks "L'Afrique nue" (ebenfalls 1975) und der Gedichte "Ebeniques" und "Colombes et Rondes" (1979). Seine berühmte Erzählung "Le Blanc du Negre" erschien 1980. Abdou Anta Ka, ein vielseitig begabter und produktiver Au-tor, wurde 1972 als Verfasser der Stücke "Les Amazones", Gouverneurs de la Ro-see", "General Manuel Ho" und "Pinthioum Fau" bekannt. Später schrieb er Kinder-bücher - "La creation selon les noirs" und "La princess noire" (1979) - und zahlreiche theoretische Abhandlungen. Wie aus diesem Überblick zu ersehen ist, umfasst die senegalesische Literatur alle bekannten Genres. Doch darüber hinaus ist Senegal auch das Land, in dem die bedeutendsten philosophischen Werke entstanden; hier erschienen Cheik Anta Diops "Nations Negres et cultures" und "Civilisations ou Bar-baries"; "La pensee africaine" von Alassane Ndao und "Hegel, Marx, Engels et les problemes de l'Afrique noir" von A. A. Dieng.

Und es ist eines der wenigen afrikanischen Länder, in dem sich die Frauenliteratur erfolgreich durchsetzen konnte. Obwohl die Autorinnen der dritten Schriftstellergene-ration angehören, zeugen ihre Werke von einem hohen Grad an Maturität. Ihre Wer-ke fanden großen Anklang, und das über die Grenzen des Kontinents hinweg. Die wohl bekanntesten Autorinnen sind Mariama Ba ("Une si longue lettre" 1978; "Un chant ecarlate" 1982), Aminate Fall Sour ("La Greve des Battus" 1979, "L'appel des arenes" 1982), Catherine Ndiaye ("Les gens de sable", "Nafissatou Diallo", "Le Fort Maudit", De Tilene au Plateau", "Une enfance dakaroise" 1984).

Die Qualität einer Literatur ist stets abhängig von der Qualität der Verlage. Zwar wer-den viele Bücher senegalesischer Autoren in Frankreich verlegt, dennoch spielt die Nouvelles Editions Africaines (NEA) eine bedeutende Rolle für die literarische Pro-duktion. Ihre Stellung innerhalb Afrikas ist einmalig. Neben den anderen großen Ver-lagen - Sankore und Clairafrique in Dakar - ist vor allem die L. S. Senghor-Stiftung, die nicht nur die Revues Ethiopiques herausgibt, eine historische Fachzeitschrift, sondern die afrikanische Literatur durch die alljährliche Verleihung des Senghor-Preises an afrikanische Autoren fördert.

 

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