Ein Afrikaner in Deutchland

Franklin Nkangou Mikangou

Ein Afrikaner in Deutchland
Ein offenes Gespräch mit Franklin N’Kangou Mikangou, Gründer und Leiter des Béto e. V.
Samba N’Zoko: Herr Mikangou, Sie beschäftigen sich seit ca 20 Jahren um besseres Verständniss für Afrika, um Völkerverständigung in Deutschland, können Sie etwas über Sie sagen?
• Mikangou: „Ich bin Afrikaner und seit Jahren in Deutschland. Geboren bin ich in der Republik Kongo; Nähe der Hauptstadt Brazzaville.
• S.N.: Ist es richtig, dass es zwei Republik Kongo gibt? Es gibt auch eine Demokratische Republik Kongo( Kongo Kinshasa )?
• Mikangou: Ja, das ist richtig es gibt zwei Republiken Kongo. Republik Kongo ( Kongo Brazzaville) auf rechten Seite des Flusses Kongo und Kongo Demokratisch Republik ( Kongo Kinshasa )auf linken Seite des Flusses. Die Demokratische Kongo Republik hat von 1971 bis 1997 unter Präsident Mobutu seinen Namen gewechselt und hießt „Zaire“. Seit 1997 trägt es wieder den Namen Kongo. Die andere Republik, Kongo-Brazzaville ist das kleine Kongo am rechten Ufer des zweitgrößten Flusses der Welt, des Kongoflusses.
Zu meiner Person: Geboren wurde ich im Jahre 1955 in der Nähe der Hauptstadt Brazzaville; in der Republik Kongo. Meine ersten Schuljahre habe ich auf dem Lande verbracht, bevor ich einige Jahre später, ebenso wie viele andere junge Leute in der gleichen Situation, in die Stadt Brazzaville ging, um das Gymnasium und teilweise auch die Hochschule zu besuchen. Ich habe ich als „Candidat libre“ das Studium der Literatur an der Hochschule Brazzaville aufgenommen. Das war auch die Zeit meiner Anfänge im Bereich des Journalismus. Ich habe eine Schulzeitung gegründet und war nebenher als Korrespondent für einige afrikanische Zeitungen im Ausland tätig, zum Beispiel für „Monde nègre“ in Paris. Später in Europa habe an einer internationalen Schule für Journalismus „Universalist“ mit Sitz in Paris ein Journalismus-Studium absolviert. Vor diesem Studium habe ich kurze Zeit als Gasthörer an einem Psychologielehrgang an der Fernuniversität Reims -Frankreich (Université de l’entente de l’ est“) teilgenommen, ebenso am Institut Francais de Communication, Paris. Ich bin seit praktisch seit 1984 beschäftigt um besseres Verständniss für Afrika, um Völkerverständigung in Deutschland beizutragen. Als Journalist habe ich die erste bundesweit deutsche sprachige afrikanische Zeitschrift Béto gegründet und geleitet ab 1985. Tournee, Konzerte, Afrikanische Modenschauen, Märkte habe seit 1988 in Verbindung mit Béto Magazin büundesweit veranstaltet.
S.N. Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Land Kongo Republik ( Kongo-Brazzaville) und dem Land Kongo-Demokratisch ( Kongo-Kinshasa )?
Mikangou: Kongo- Brazzaville ( Republik Kongo ) und Kongo- Kinshasa ( Demokratische Republik Kongo), bilden eine Nation, ein Volk, das getrennt worden ist und zwar seit dem 12.12.1884 bzw. 26. Februar 1885 durch die Berliner Konferenz. Ganz früher bildeten die Beide Republiken genau wie die Nachbach Republiken ; Angola und ein Teil von Gabun ein Königreich, das bekannte Königreich Kongo, kurz genannt „Mani-Kongo“. Die alte Hauptstadt in heutiger Angola Republik trug den Namen M’Banza-Kongo. Im Jahre 1482 besuchten die Portugiesen zum ersten Mal das Königreich unter der Führung von Ntinu Nzinga Mbemba, alias Alfonso. In der beiden Republiken Kongo und Angola wird in großen Teilen der Bevölkerung Ki-Kongo gesprochen. Diese Sprache sowie Lingala sind die beiden Nationalsprachen in den Kongo Republiken. Französisch, auf der linken Seite von den Franzosen eingeführt und auf der rechten Seite in Kongo Brazzaville; auf der linken Seite ; in Kongo Kinshasa von den Belgiern in der Kolonialen Zeit, ist die Amtssprache. Man könnte auch als zweite Muttersprache der jungen Leute sprechen, die eine Schule besucht haben, denn z. B. in Kongo-Brazzaville haben von den ca. drei Millionen Einwohnern knapp 80 % die Schule besucht vor den Bürger Kriege ab 1997 und Französisch vom ersten Schuljahr an gelernt.
Beide Länder Kongo verbindet die gleiche Musik. Außer der traditionellen Musik, den Instrumenten und Kunstformen und den Masken existiert der traditionelle Tanz, der in beiden Ländern Wara oder Walla genannt wird. Außerdem wurde der Rhythmus, genannt „Soukous“, der als der heißeste Rhythmus der afrikanischen Musik gilt, von dem damaligen Orchester „Sinza Kotoko mit Musiker wie Pierre Moutouari und Bantoues (de la Capitale ) in Brazzaville“ erfunden und wurde später von Musikern beider Länder weiter entwickelt. Die Bevölkerung hat den Rhythmus in sich aufgenommen. „Ndombolo“, der neueste Tanz erfunden in Kinshasa ist am beliebtesten in Kongo Republik und in ganzen Kontinent ;Afrika.
S.N. Ihre Namen N’Kangou und Mikangou - was bedeuten Sie in Ihrer Sprache?
Mikangou: Der Name N’Kangou oder Mikangou ist sowohl ein kongolesischer wie auch ein angolanischer Name. Er bedeutet „Bevölkerung in den drei Ländern in Kikongo“ Sprache, auch in anderen Dialekten. Er ist auch in Südafrika zu finden. N’Kangou, Mikangou oder sogar Moukangou, je nach Region bzw. Landesteil haben die gleiche Bedeutung.
S.:N.: Was ist nun passiert mit der Zeitschrift Béto, „Béto Magazin“; ehemaliger führende Afrikanische Zeitschrift in Deutschland in der Deutsch Sprache; die Sie ab 1985 bis 1999 herausgeben haben
Mikangou: Aus kleinen Anfängen heraus, wenn wir die erste Publikation in französischer Sprache nach der Frankfurter Buchmesse Ende 1985 berücksichtigen wurde mit der ersten deutsche Ausgabe in1986 Béto als eine attraktive Zeitschrift, die leidenschaftlich gern in Universitäten, Cafés und Kulturzentren der größten Städte gelesen wurde. Man könnte diese Zeitschrift hauptsächlich in internationalen Bahnhofsbuchhandlungen und teilweise in Afro Shops, Bioläden kaufen und Städte Bibliotheken lesen. Seit 1999 ist die Publikation des Béto Magazins abgestellt worden wegen Kapital Mangel. Seit Gründung des Béto e.V. in 2003 ist Béto Magazin per Online zu lesen. Es wird daran gearbeitet dass die Zeitschrift als auch Print Zeitschrift wieder herraugegeben wird.
• S.N.: Was bedeutet Béto eigentlich?
• Mikangou: Béto bedeutet „Wir“ - symbolisch gemeint. Wir, die Menschen, wir, die Welt.
Wir sollten uns alle anstrengen, sinnvoll zu leben und zu handeln, um eine harmonische Welt und ein Zusammenleben zu schaffen. „Wenn wir nicht lernen, als Menschen miteinander zu leben, werden wir als Narren miteinander untergehen“, sagte Martin Luther King. Das Wort Béto kommt von KI-Kongo, einer der Bantu-Sprachen, die in Kongo und Angola gesprochen wird.
S.N. Warum haben Sie diese Zeitschrift gegründet? Was wollen Sie damit bewegen und warum in Deutschland?
Mikangou: Unternehmungsgeist ist ein menschlicher Charakterzug. Von Beginn der Menschheit bis jetzt haben die Menschen immer versucht, etwas zu gründen oder neues zu erfinden. Jeder kann nach seinem Temperament, seiner Ausbildung, Veranlagung und Umgebung immer etwas auf die Beine stellen. Es gibt nicht nur einen Ort und eine Zeit, wo man anfangen oder aufhören sollte, sich körperlich oder kreativ zu betätigen.
Béto ist eine Zeitschrift, in der man versucht, Informationslücken über Afrika zu schließen, und zwar durch Leute, die wissen, wovon sie schreiben. Man erfährt zu wenig über diesen Erdteil, außer den Sensationsberichten über Katastrophen, die zum größten Teil zu einseitig sind und die historischen Hintergründe nicht immer analysieren. Die Information, wie schon gesagt, ist leider eine richtige Ware geworden und bis jetzt an den Markt mit seinen eigenen Gesetzen gebunden. Mehr als 80 % der Informationen, die auf der Welt von großen Medien weitergegeben werden, stammen von nur fünf großen Presseagenturen: Associated Press (AP, USA), United Press International (UPI, USA), Agence France Press (AFP, Frankreich), Reuter (Großbritannien), Tass (Russland ). Es stammen nur 5 % des gesamten Informationsflusses aus den Entwicklungsländern, die weitergegeben werden. Der Grund ist, dass die sogenannten mächtigen Nationen oft verhindern, dass die Medien mehr über die afrikanische Kultur erfahren sollen und somit die tiefere Ursache der afrikanischen Probleme nicht erkannt werden. Afrika ist arm aus materieller und technologischer Sicht und sehr viele Leute wollen, dass dies auch so bleibt Dazu gehören auch diejenigen, die viel über die sogenannte Entwicklungshilfe sprechen und dafür arbeiten. Für sie ist es entscheidend, dass sie selber über die Art der Entwicklungshilfe entscheiden, ebenso wie die Institutionen, die darin engagiert sind, solange sie aus industriellen Ländern kommen und Arbeitsplätze im eigenen Land garantieren.
S.N. Afrika ist ein großer Kontinent. Es gibt viele Kulturen in Afrika. Wie können Sie dann unter solchen Umständen eine Zeitschrift herausgeben über Afrika und afrikanische Kultur?
Mikangou: Es existieren in Europa Hunderte von Zeitschriften über Europa. Warum sollte es keine afrikanische Zeitschrift geben? Béto wird zum größten Teil von freien Autoren und Journalisten aus verschiedenen Teilen Afrikas mitgeschrieben, als Teil der Weltkulturarbeit.
S.N. Sie haben oft berichtet, dass Sie keine Subventionen für Ihre Zeitschrift erhalten habe. Haben Sie keine Unterstützung von Staat oder von irgendwelche Entwicklungsorganisationen, Stiftungen, Verbänden, von der Kirche bekommen?
Mikangou: Ich habe leider keine richtige Subventionen für die Zeitschrift Béto bekommen. Als ich die Idee hatte, eine afrikanische Zeitung zu gründen, schrieb ich die verschiedenen Institutionen, Stiftungen, Verbänden an. Doch die Sache fand nicht die Resonanz, die ich erhofft hatte. Viele Briefe, die ich zwei- oder sogar dreimal verschickt hatte, wurden nicht einmal beantwortet. Man spricht oft von der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Dieser Satz ist mir unverständlich, da ich viele dieser Institutionen auch ein zweites Mal angeschrieben habe. Béto ist eine Initiative zur Völkerverständigung. Béto Magazin als Initiative in Dienste der afrikanischen freien Autoren, Journalisten die an Afrika interessiert sind um die Menschen über Afrika objektiv zu informieren hat leider in Deutschland keine solide Unterstützung finden können. Allein die Tatsache, dass diese Zeitschrift auch über die Lage der Afrikaner in Deutschland berichtet, hätte ein Grund sein, um Subventionen von Staat, Kirchen, Verbänden, Entwicklungsorganisationen usw. zu bekommen. Man spricht über Hilfe für Afrika, setzt sich meiner Meinung nach aber nicht genug für Afrikaner ein, die schon lange hier leben. Die Studenten, die in Deutschland studiert haben, haben praktisch keine Möglichkeit als Entwicklungshelfer Zugang zu den Entwicklungsorganisationen zu finden, selbst nach mehrmaligen Bewerbungen nicht. Das ist zu bedauern. Als Presseorgan, das zum größten Teil von Afrikaner(innen) geschrieben wurde, berichtet hat über Afrika, seine Kultur und Entwicklung, Afrikaner in Deutschland hätte Béto Magazin normalweise einige Subventionen bekommen.Béto Magazin hat sich für eine gute Sache immer engagiert. Die Zeischrift hat immer die Begegnung zwischen verschiedenen Völkern gefördert. Die Zurückhaltung der Institutionen ist mir daher unbegreiflich. In verschiedenen Städte und sogar hier in Düsseldorf haben ab und zu Veranstaltungen und Ausstellungen über Afrika statt gefunden. Die Organisatoren haben machen sich zum großen Teil die Mühe gegeben, Béto Magazin darüber zu informieren und darüber zu berichten. Diese Mangel von Offenheit ist Schädlich wenn. Nur eine offene und herzliche Zusammenarbeit der Gruppen, Verbände und Vereine, die sich doch für dieselbe Sache engagieren, kann dazu führen, dass das Engagement Früchte trägt.
S.N. Sie haben auch Bücher geschrieben?
Mikangou:. Ich habe zwei Manuskripte geschrieben, die der Verlag Editions Universelles, Paris herausgeben wollte. Der Verlag war besonders an „Recit-Excusion a travers l’Allemagne“ und an dem Roman über den Kongo in der Kolonialzeit und der unabhängigen Zeit Project dévelopement“ („Entwicklungsprojekt“) interessiert. Aber im letzten Moment hat die Sache doch nicht geklappt. Ich hatte danach noch Kontakt zu Editions Bantoues Verlag in Heidelberg und Brazzaville (Kongo). Letztendlich habe ich mich dann doch entschieden, die Bücher beim Béto Buchservice selbst zu verlegen. Sobald die finanziellen Möglichkeiten besser sind, bietet der Béto Buchservice mir und anderen unbekannten afrikanischen Autoren die Möglichkeit, ihre Bücher zu verlegen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es für einen afrikanischen Autor ist, einen Verlag zu finden und nicht übervorteilt zu werden bei der Bezahlung und den Autorenrechten.
S.N. Die Entwicklung Afrikas hat falsch begonnen ? (L’Afrique est mal partie. Afrika ist falsch gegangen). Darüber haben schon viele Autoren berichtet, zum Beispiel der bekannte Réné Dumond 1962 oder Pasani unter Mitterands sozialistischer Regierung in Paris. Was fehlt in Afrika, um die Entwicklung in Gang zu bringen?
Mikangou: Die breite Masse Afrikas hat keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen oder eine technische Ausbildung zu bekommen. Viele Länder besitzen keine elementaren wissenschaftlichen und technischen Basisstrukturen. Die richtige wirtschaftliche Infrastruktur fehlt, und in vielen Bereichen findet keine Produktion statt.
Afrika hat koloniale Strukturen geerbt. Nach der Unabhängigkeit sind die Länder falsch beraten worden, weil man sie weiterhin als Lieferanten für Rohstoffe und agroexotische Produkte haben will. Sicher, die Zahl der Schulen und Studenten an den Universitäten hat seit der Unabhängigkeit zugenommen. Die afrikanischen Führer haben gelernt, dass Wissenschaft und Technik für die Weiterentwicklung sehr wichtig sind. Im Juli 1979 haben die Staatschefs Afrikas sich bei der OAU-Konferenz in Monrovia dafür ausgesprochen „Wissenschaft und Technik“ in den Dienst der Entwicklung zu stellen, damit die selbständige Leistungsfähigkeit in Afrika verstärkt wird. Trotzdem gibt es an den Universitäten Afrikas immer noch zu wenig Studenten, die Wissenschaft oder Technik studieren. Es fehlt immer noch eine ausreichende Anzahl von Berufsschulen und es mangelt an Lehrern auf diesem Gebiet. Die Schulausbildung beruht fast nur auf akademische Weise und ist kaum geeignet, die dringenden Probleme in der Gesellschaft zu lösen. Wenn man die Grundausbildung in Wissenschaft und Technik verbessern würde, sehe die Sache zum Teil ganz anders aus. Nehmen wir nur ein Beispiel: mit 700 Forschungsstätten, in denen nach dem Bericht der UNESCO 1974 ca. 30.000 Leute teilweise oder vollständig in der Forschung beschäftigt sind, haben die afrikanischen Entdeckungen auf dem Gebiet der Biologie mit ihrem Beitrag starken Einfluss gehabt. Die Medizin und die Nahrungsmittelproduktion sind in beträchtlichem Ausmaß von diesen afrikanischen Entdeckungen beeinflusst worden schrieb der UNESCO-Kurier im Mai 1988.
Aufgrund der Ausbeutung afrikanischer Bodenschätze und seinen industriellen Agrarerzeugnissen, durch Auslandsverschuldung, Schikane von großen Mächten, die sich mehr um ihre Machtposition kümmern als um die Schicksale und das Elend der breiten Bevölkerung, befindet sich Afrika leider in einer totalen Hilflosigkeit und kann aus eigener Kraft keine neuen Produktionsstrukturen für die Selbstversorgung aufbauen. Afrika erhält auch nicht genug Devisen, obwohl es das Recht dazu hätte. Die Entwicklungshilfe ist unmöglich, solange die wirtschaftlich-politischen Rivalitäten im Vordergrund bleiben wie schon von Jackson berichtet wurde.
S.N. Es gibt doch auch Länder, die früher zur sogenannten Entwicklungsländer zählten und die zu Industrienationen aufgestiegen sind, wie Länder in Südostasien und Brasilien?
Mikangou: Sehen wir die Sache, wie sie wirklich ist. Brasilien kann man nicht als Beispiel für ein gutes Vorbild nehmen, wo ca. 70 % der gesamten Bevölkerung dieses Landes nicht vom Fortschritt betroffen sind und Millionen Kinder auf der Straße leben. Es ist doch so, dass, Afrika nicht nur Kolonialismus erlebt hat und Opfer von Zwangsarbeit gewesen ist, was zur Industrialisierung Europas beigetragen hat, sondern Opfer der Sklaverei, die ca. vier Jahrhunderte gedauert hat. Hinzu kommt, dass Afrika zahlreiche Kriege gegen die Armeen der europäischen Kolonialmächte führen musste. Die Liste dieser Kriege und Widerstände gegen die brutale Herrschaft, die in vielen Ländern wie Angola, Mosambik, Simbabwe, Guinea Bissau auch durch bittere Befreiungskriege beendet worden ist, ist lang. Schon im Jahre 1591 fand in Westafrika der Kolonialkrieg von Tondibi statt. Es folgten noch viele Kolonialkriege im Laufe der Zeit, zum Beispiel England gegen die Hauptstadt des alten Nigeria, Benin City, der vom
4. Januar bis zum 17. Februar 1877 dauerte. Der Widerstand von Herero von 1904 bis 1907 gegen die deutsche Herrschaft, der Krieg der Franzosen gegen das Königreich Dahomey unter Führung von Behanzin von 1890 bis 1894, in dem auch die Frauenarmee, die „Amazonen“, jahrelang sehr mutig gekämpft und viele Opfer gebracht hat. Diese zahlreichen Kriege oder andere sinnlose Vernichtungen, Massaker und Zwangsarbeit, wobei viele Menschen ihr Leben lassen mussten, haben sehr negativ zu den politischen Veränderungen der Strukturen und zur Resignation und Passivität Afrikas und seiner Bevölkerung beigetragen. Heute machen die Kulturentfremdung sowie die relativ kurze Abhängigkeitszeit Afrika zu schaffen Nicht zu vergessen.
In früheren Zeiten gab es in Afrika eine Art von Demokratie. Der heutige Despotismus auf dem Kontinent ist nur im Zusammenhang mit den Umständen als Folge des Mangels an Kultur und Identität aus Respekt den Europäern gegenüber, als Folge des Kolonialismus, des Neokolonialismus und der Einflußnahme der Großmächte zu sehen, wie der ehemalige Generalsekretär der OAU von 1978 bis 1983, Edem Kodjo, Professor an der Pariser Universität Sorbonne, in seinem Buch „Et demain Afrique“ (bei Stock, Paris) geschrieben hat: „Afrika wird oft als Kontinent ohne Geschichte angesehen oder als Erdteil der Kolonisation und des Handels mit Europa. Die eigentliche Geschichte Afrikas dagegen, seine Kultur, seine große Vergangenheit, sind bis heute nahezu unbekannt geblieben.“ Man will die Weltbevölkerung im Glauben lassen, dass sich Afrika nur an dieser oder jener Gesellschaftsordnung zu orientieren hat, um seine Probleme wie durch Zauber zu lösen - was nicht korrekt ist. Vergessen wir nicht, dass Afrika viele Bodenschätze besitzt, an denen sich seit Jahrhunderten die industrialisierten Länder bereichern. 96 % der Diamanten, 90 % des Chroms, 85 % des Platins, ca. 27 % der Wasserkraftvorräte der Welt, ca. 500 Millionen Hektar Nutzland besitzt der zweitgrößte Kontinent, der dreimal größer ist als das gesamte Europa und der auch fast soviel Mal weniger bevölkert ist. Trotzdem müssen wir in Afrika hilflos zusehen, wie viele Kinder täglich sterben. Anstatt die Priorität auf Exportgüter zu setzen, sollte man bei den sogenannten Entwicklungshilfsmaßnahmen in Afrika und den Entwicklungsländern über eine Selbstversorgung, die richtige Hilfe zur Selbsthilfe denken. Die Schulausbildung in Afrika muss reformiert werden. Jeder Schüler sollte kostenlos zusätzlich zu seiner normalen Schulausbildung auch eine technische Ausbildung erhalten, am besten erst in der Sprache, die dem Jugendlichen schon vertraut ist. Diejenigen, die weiterführende Schulen besuchen, sollten die Möglichkeit erhalten, später eine hochqualifizierte, technische und staatlich geförderte Ausbildung an afrikanischen Universitäten und Hochschulen, die aber besser ausgerüstet werden sollten, bekommen. Die Schulpflicht muss neu geordnet werden. Es sollten ebenfalls Schule und Produktionsstätten auf dem Lande geben und nicht nur in der Stadt.
Es gibt in Afrika hat hochqualifizierte Leute, die sich leider zum größten Teil im Ausland aufhalten oder gezwungen sind, dort zu leben. Andererseits gibt es schon Stipendien für Offiziere der nationalen Armeen, für Ingenieure, Ärzte, Volkswirtschaftlicher, Lehrer der Akademieschulen usw. Aber es fehlen gut ausgebildete Leute für die Landwirtschaft, Krankenpfleger, Maurer, Elektriker, Fachkräfte in der Industrie, in der Nahrungsmittelproduktion und im Dienstleistungsbereich. Wozu ist es zum Beispiel nötig, Chirurgen auszubilden, wenn es nach einer Operation an guten Krankenpflegern und Medikamenten fehlt, um die Wunden zu heilen?
Afrika braucht eine demokratische Regierung, die frei vom Volk gewählt wird. Autonome Justiz, Ämter, Gewerkschaften, Pressefreiheit, Verbände, Vereine sind ebenso wichtig für die Entwicklung Afrikas wie in jedem anderen Land auch. Leider ist bis jetzt jede Bestrebung nach Selbstbestimmung durch die Menschen in Afrika zur Selbstbestimmung fast immer auf den Hegemonialismus der Supermächte gestoßen und verhindert worden. Letzere haben sich lieber darum gekümmert, korrupte Führer an die Macht zu bringen oder zu behalten. Diese Supermächte und alten Kolonialmächte interessieren sich nicht für die Missachtung der Menschenrechte, auch wenn einige dies schon einmal zur Sprache bringen. Eine solche Haltung ist nicht nur schädlich für Afrika, sondern auf Dauer für die ganze Welt. Das bedeutet, die Probleme, mit denen Afrika im Moment zu kämpfen hat, werden mit der Zeit auf die ganze Welt übergreifen.
Es ist doch eine verrückte Sache, dass so viel Geld für Rüstungen ausgegeben wird, wo das Geld viel nötiger gebraucht würde in einer Welt, die überall von Massenarbeitslosigkeit und Hungersnot beherrscht wird und die Obdachlosenrate erschreckend wächst.
S.N. Eine ganz andere Frage: Sie haben wiederholt den Standpunkt vertreten, wie wir auch bei einem früheren Interview bei Radio Korak in Hamburg vernehmen konnten, dass die afrikanische Musik sich in Zukunft durchsetzen wird. Wie können Sie diese Aussage, wie Sie schon in Ihrer Zeitung Béto Nr. berichten, denn begründen?
Mikangou: Es ist richtig, dass die afrikanische Musik die Musik der Zukunft ist. Durch sie wurde in gewissem Maße die Musik auf der ganzen Welt stark beeinflusst , obwohl viele Leute das nicht gerne anerkennen wollen. Lassen Sie mich nur ein Beispiel nennen. Jazz ist nichts anderes als die afrikanische Musik, die bereits im 17. Jahrhundert von Sklaven aus Afrika nach Amerika gebracht wurde. Diese Musik, die ursprünglich aus Gesang bestanden hat und von Trommeln oder anderen afrikanischen Instrumenten begleitet wurde - wie ein bekanntes amerikanisches Bild „The Bamboula, the dance in place Congo“ von E. W. Kemble aus dem Jahre 1885/86 es zeigt - kam lange Zeit nur von den Afrikanern. City Revival im Jahre 1850, Negro Spirituals, Gospelmusik, die auch in der Kirche gesungen wurde und auch Jazz stammt von Anfang an aus Afrika, die dann von vielen Künstlern und Musikern, um nur einige von vielen zu nennen, wie z. B. Thomas A. Dorsey, Paul Robeson (1878 - 1976) von der Rutgers-Universität, dem Komponisten von „Old Man River“, wie James Price Johnson (1891 - 1955), Charles Luckeryeth (Luckey) Roberts (1895 - 1968), Schauspieler in dem Film „Onkel Toms Hütte“, Duke Ellington, Bob Cole und den Johnson Brothers, Joseph King Oliver (1885 - 1938) and the Creole Jazz Band aus New Orleans, Jelly Morton and the Red Hot Peppers 1920 - 1924, Louis Armstrong and Five and Hot Seven leidenschaftlich weiter entwickelt wurde und bis heute erhalten blieb. Viele wissen, wie sich die Musik später entwickelt hat. Leider wurde die Musik aus Afrika wie schon die ganze afrikanische Kultur nicht anerkannt und diskriminiert. Warum hat Mory Kanté mit seinem Lied „Yéké-Yéké“ aus dem Album „Akwala Bech“ Schlagzeilen gemacht und ist zur Nr. 1 in der Hitparade geworden? Yéké-Yéké ist vielen heute ein Begriff. Und zwar darum, weil die Platte von einem sehr bekannten und einflussreichen Produzenten, Barclay, verlegt wurde. Das Stück Yéké-Yéké hat die Neuheit, dass es nicht länger als drei Minuten ist. Das ist ein Vorteil, um im westlichen Rundfunk gesendet zu werden im Gegensatz zu anderen afrikanischen Stücken. Es gibt eine große Anzahl afrikanischer Musik, die auch in den Diskotheken der Welt die Leute erfreuen würde. Der Name Yéké-Yéké ist nicht unbekannt. Die kongolesischen Musiker bzw. das Orchester Sinsa Kotoko, die damalige Superband aus Brazzaville von Pierre Moutouari, Daniel M’Fouilou, Hyacinthe Malonga, Fidele Samba haben Ende 1960 diesen Namen ins Leben gerufen. Auch die Musik des berühmten, schon verstorbenen Liedermachers Franklin Boukaka aus Kongo-Brazzaville bestand aus diesem Yéké-Yéké Rhythmus. Das wieder neu aufgenommene Lied „Le Bucheron“ (Der Holzbauer), welches er mit dem Orchester von Manu Dibango aus Kamerun Ende 1960 in Paris spielte, beweist dies. Afrikanische Musik ist eine authentische Musik der Unterhaltung.
S. N. Warum sollten die Industrienationen, besonders Deutschland, welches keinen direkten Bezug zu Afrika hat, diesem Kontinent überhaupt helfen?
Mikangou:. Die Industrienationen sollten Afrika und generell anderen Kontinenten wie Südamerika, Asien aufgrund wirtschaftlicher Gerechtigkeit helfen. Deutschland hat keinen Bezug zu Afrika? Dies ist absurd. Erst einmal bleibt die Weltgemeinschaft eine Weltgemeinschaft. Wenn die moderne Technologie nicht dazu dient, Milliarden Menschen von dieser Weltgemeinschaft auf dieser Erde zu einem humanen Leben zu verhelfen, ist die Welt verurteilt, im Chaos, im permanenten Konflikt zu leben. Es ist nicht normal, daß Menschen ein Leben lang gezwungen werden, ums tägliche Brot zu kämpfen, während andere im Überfluß leben. Das kann auf Dauer für die Weltgemeinschaft nie gutgehen. Kein vernünftiger Mensch kann sagen: „Was gehen mich die Bürgerkriege, die weit weg von meinem Land stattfinden, an“, solange man für seine eigene Existenz mit Weltexport, importierte Rohmateriale, exotische Agrarprodukte, Urlaub in fernen Ländern usw. abhängig ist. Also muß die bevorstehende Katastrophe aus strategischen und auch moralischen Gründen gesucht werden. Um zur zweiten Frage zu kommen, muß ich Ihnen antworten, daß Deutschland einen sehr wichtigen Bezug zu Afrika hat, viel mehr als es die Menschen wahrhaben wollen. Hat nicht die Berlinkonferenz zum Beispiel in Deutschland stattgefunden? Wenn Länder wie Namibia, Südafrika sogar Kenia, Gambia, Ghana, Senegal ohne die alten Kolonien wie Togo, Kamerun, Zansibar, Ruanda-Burundi vergessen werden. Wir ersehen, dass Deutschland seine eigene Geschichte zu Angehörigen, Beziehungen und Freunde in Afrika hat.
Nach Jahrhunderte langer Sklaverei, 100 Jahre nach der Berlinkonferenz, sollten die Afrikanisch-Europäischen Beziehungen nicht nur daraus bestehen, als Afrika in der Rolle des ewigen Lieferanten für Rohrstoffe, exotische Agrarprodukte und Müllhalden der Industriestaaten, die dort ihren Giftmüll exportieren, zu betrachten. So kann nicht die Stabilität, die Entwicklung und die Demokratie, die Afrika und die Weltgemeinschaft nötig hat, gefördert werden.
• S.N. Sind die Afrikaner überhaupt reif für die Demokratie?
• Mikangou: Wenn ein Kontinent wie Europa, der vor ca. 60 Jahren nach Ende des zweiten Weltkrieges eine Demokratie gegründet hat, die zum größten Teil gut funktioniert, wie kann sich Afrika mit seiner damaligen Hochkultur in einigen Ländern wie Äthiopien, Ägypten, Simbabwe, Nigeria und zahlreiche unabhängige Königreiche wie Mali, Ghana, Kongo usw. nicht für die Demokratie reif sein?
Die Demokratie ist ein Lernprozess, eine Art von Zusammenleben, Zusammenwachsen in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Form aller Bevölkerung. Alle Schichten der Bevölkerung sollten am Demokratisierungsprozeß beteiligt werden und die und die demokratischen Spielregeln, basiert auf gegenseitiger Toleranz, erlernen. Außerdem ist die Demokratie in Afrika nicht nur mit Durchführung von „freien“ Wahlen und Gründung von Parteien vollendet. Eine Demokratie, die nicht zu Verbesserungen der wirtschaftlichen und sozialen Lage aller Bevölkerung beiträgt, kann sich nicht durchsetzen. Es kann keine Demokratie ohne Frieden existieren. Frieden kann nicht möglich sein ohne technologische und spirituelle Entwicklung. Es kann keine dauerhafte Demokratie aufgebaut werden ohne richtigen Strukturen und Infrastrukturen. Europa sollte so richtig reagieren mit angepaßtem technologischen Transfer und Investitionen.
In Afrika hat früher eine authentische Demokratie stattgefunden. Afrika ist die Wiege der Menschheit. Im Gegensatz, was bekannt gemacht wurde, Afrika sei ein Kontinent ohne Geschichte, Kunst und Wissenschaft, muß man sagen, daß Afrika für die heutige Weltzivilisation viel beiträgt, z. B. nicht nur Musik. Die kostbaren Kunstschätze Afrikas haben einen hochrangigen Platz zum „Schatz der Weltkultur“. Zahlreiche Bronzen, Elfenbeinfiguren aus Benin. die Stadt Nigeria wurde das Objekt einer der spektakulärsten Ausplünderung der Kolonialgeschichte. Im Jahre 1897 wurde diese nach Europa verschifft. Wenn wir gerade in die Geschichte kurz noch zurückblicken und die Stellung der Frau in der traditionellen Gesellschaftsbeziehung der Yoruba in Nigeria wie die Demokratie und kulturelle Entwicklung, die schöpferischen Impulse das Leben in Afrika gestaltet hat. Der afrikanische Historiker, Wissenschaftler und Philosoph Cheik Anta Diop hat in seinen Werken und seiner Doktorarbeit in den 50-er Jahren bei der Pariser Sarbonne Universität belegt, daß Afrika die Wiege der Menschheit ist und die erste Hochkultur in der Geschichte der Menschheit, das alte Ägypten, Afroafrikanischen Ursprungs gewesen ist
S.N. Die afrikanische Regierungen haben ihre Versprechungen auf den internationalen Konferenzen, Weltfrauengipfeln in Kopenhagen (1980), in Nairobi 1985 nicht eingehalten. Die Beteiligung der Frauen an bezahlten Erwerbstätigkeiten sind nicht erhöht worden. Bei anderen Konferenzen, wie die „Weltbevölkerungskonferenz“ in Kairo 1994, die Weltsozial-Konferenz“ 1995 in Kopenhagen wurde keine Gelegenheit ausgelassen, für die Verbesserung der Lage der afrikanischen Frauen zu plädieren. Ab wann wird die Unterdrückung der Frauen aufhören in Afrika?
Mikangou. Während der gesamten Konferenz ist oft leidenschaftlich über Eroberung der gesellschaftlichen Machtposition bzw. der Verbesserung der Situation der Frauen gesprochen worden. Es ist sehr gut, daß man solchen Fragen viel Aufmerksamkeit schenkt. Das Problem besteht darin, daß sich in vielen Dingen zu stereotype Urteile festgesetzt haben und diese verhindern eine objektive Diskussion, eine Suche nach möglichen Lösungen. Prozentual gesehen hat die Beteiligung der Frauen an bezahlten Erwerbstätigkeiten sich in sehr vielen Ländern Afrikas nicht erholt. Wahr ist, daß die gesamte Höhe der bezahlten Erwerbstätigkeiten für die gesamte Bevölkerung gesunken ist. Unter diesen Umständen können Sie sich dann vorstellen, wie schwer und mühselig es ist, daß eine Sonderrecht, wie die Erhöhung der Frauenquoten bei den bezahlten Erwerbstätigkeiten sich durchsetzt. In Afrika, wie bereits auf andere Weise gesagt wurde, geht es nicht darum, für die Bezahlung der Frauentätigkeiten zu plädieren. Es geht ganz einfach darum, zuerst Vorausetzungen zu schaffen die, die Menschen helfen sollen aus der Armut sich zu befreien, die Lage für fast alle jugendlichen Afrikaner und Menschen in der Not zu verbessern. Es muß natürlich viel getan werden für die Frauen. Aber verstehen Sie mich bitte nicht Falsch. Wenn man sich immer wieder an die Bilder von jungen Afrikanischen Flüchtlinger, die aus der Exklaven Ceuta, Melilla, auf Sisilien brutal aufgegriffen und abgeschoben werden, kann man es besser verstehen, daß man grundsetzlich viel in die Menschen investieren sollte in Afrika um eine wirkliche Fortchritte zu erreichen.
Aus dem Buch: Ein Afrikaner in Deutchland. MWK : 1997.

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